Die mit den Docs!

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    So ein Jubiläum ist ein guter Anlass zurückzublicken, zu reflektieren, manch Anekdote auszugraben und sich auch zu fragen: wie fing das für mich an?

     

    Erstmal was Eigenes auf die Beine stellen

    Wie Sie in meiner Vita nachlesen können, habe ich nach dem Abitur ein soziales Jahr geleistet und daraus resultierend dann Sozialpädagogik studiert. Mein Plan: erst mal was Eigenes schaffen! Nicht als „Tochter vom Chef“ im Büro anzufangen. Zudem fand ich die Idee sehr gut, in jungen Jahren, wo man enthusiastisch und voller Energien die Welt bewegen will, sich intensiv sozial zu engagieren. Soll jetzt nicht heißen, dass man das später nicht mehr machen kann!

    Als ich 1996 im Büro meines Vaters als „Assistentin des Geschäftsführers“ anfing und mich in die Welt der Immobilienbranche einfand, stellte ich schnell fest, dass der vorrangige Frauentyp in diesem Metier optisch nicht dem entsprach, wie ich aussah (und noch tue). Die sehr kurzen Haare –  fast ein Markenzeichen von mir – dann ungeschminkt und nicht auf hohen Schuhen unterwegs.

    Schuhe halten jung

    Eins hatte ich nämlich aus meiner Teenagerzeit rüber gerettet: meine Liebe für die Schuhe von Doc Martens!

    Nun werden Sie vielleicht verwundert die Augenbrauen hochziehen, denn die Schuhe von Doc Martens gelten in Jugendsubkulturkreisen wie der Punk- oder Skinheadszene als beliebte Fußbekleidung. Ich hingegen gehörte keiner dieser Gruppen an. Aber als Ausdruck von Unangepasstheit fand ich es einfach klasse, diese super bequemen Schuhe zu tragen.

    Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Baustellen oder in Häusern unterwegs, die einen stabilen Schuh verlangen – da sind Docs unschlagbar. Stöckeln Sie mal in High Heels eine steile Stiege ins Dach eines Fachwerkhaus aus 1630 – ich denke, selbst Frau Klum käme mächtig ins schwitzen, um das zu bewerkstelligen.

    Die mit den Docs

    Natürlich stieß meine Vorliebe für diese Schuhe manchmal auch auf Irritation. Die ehemalige Verlagsleiterin vom Darmstädter Echo, Heike Findeis, die leider viel zu früh verstorben ist, meinte, als ich ihr damals eine schöne Wohnung in Darmstadt vermittelte, wie irritiert sie anfänglich gewesen wäre, als ich sie, zwar ganz Business-like im Hosenanzug, aber in Doc Martens bei der Besichtigung empfangen hätte. Später, als aus dem beruflichen auch ein freundschaftlicher Kontakt entstand, lachten wir gerne darüber. „Die mit den Doc Martens“. Ja, auch so kann Maklerin sein!

    Ein schönes Kompliment machte mir einst ein Käufer, als wir beim Notar im Wartezimmer saßen: er meinte, als er mich bei der ersten Besichtigung in besagtem Schuhen sah, da fand er das so bodenständig und authentisch, dass er sich gleich gut bei mir aufgehoben fühlte. Schuhe verbinden!

    Dresscode? Ja bitte, aber anders!

    Ja die Branche hat sich gewandelt: Makler verzichten vermehrt auf die „steife“ Business-Klamotte wie dunkler Anzug, weißes Hemd und Schlips, sondern tragen das, was zu ihnen passt. Maklerinnen  haben sich aus dem Kostüm mit Rüschienbluse und Nylons geschält und kommen ebenso seriös in Jeans und Blazer daher. Kleider machen Leute, so sagt man, aber Kleider können Menschen auch voneinander distanzieren. Wenn Berufskleidung uniformiert, dann bleibt Individualität auf der Strecke.

    Meine Abneigung Schminke gegenüber bescherze ich gerne mit dem Satz “Bei mir bekommen Sie die ungeschminkte Wahrheit“. Und so ist es auch – entweder so oder in Form meiner Meinung: Ungeschminkt, klar und bodenständig, wie meine Schuhe.

    Wie sagte einst die Modedesignerin Coco Chanel: „Don´t be like the rest of them, Darling“ (Sei nicht wie die anderen, Schätzchen).

    In diesem Sinne

    Ihre Kerstin Keil