Gib mir mal die Salzstreuerin

     

    Salzstreuerin

     

    Gib mir mal die Salzstreuerin

     

    Als ich 1996 meine Abschlussarbeit für mein Anerkennungsjahr in einer sozialpädagogischen Jugendhilfeeinrichtung schrieb, hatte ich die Idee, dies in „weiblicher Sprache“ auszuführen. Heute würde frau und man „gendergerechte Sprache“ sagen.

    Die Ausgangssituation war dafür wie geschaffen, denn der Inhalt meiner Arbeit beschrieb die qualifizierte Mädchenarbeit in einer Jugendhilfeeinrichtung. Die sprachliche Ausführung hingegen offenbarte schnell Kapriolen, die ich mit der deutschen Sprache schlagen musste.

    Um Themen wie „Lesbarkeit“ und „Sinnhaftigkeit der weiblichen Wort-Neuschöpfungen bzw. Neuinterpretation von Sprache“ machte ich mir erst einmal keine Gedanken, denn meine Dozentinnen waren in der Relevanz einer gendergerechten Sprache Mitstreiterinnen und unterstützen daher meinen Wunsch, das so durchziehen zu wollen.

    Heute, 22 Jahre später, stehe ich als Maklerin, die einen Immobilienblog betreibt, wieder vor der Frage, wie ich sprachlich korrekt meine Leserschaft anspreche.

    Immobilien interessieren alle, egal ob Mann oder Frau

     

    Fakt ist: Frauen besitzen ebenso wie Männer Eigentum bzw. planen, welches zu erwerben, sind Vermieterinnen oder Mieterinnen. Immobilienthemen sind männlich wie weiblich und wie in meinem Fall ist der „Makler“ eben eine „Maklerin“. Das „generische Maskulinum“ schlägt in aller Härte zu. (whoww, der Satz hat ja Durchschlagskraft).

    Wie weiblich ist das Internet?

     

    Mit meinem Marketing-Coach Julian Heck führe ich in letzter Zeit häufig diese Gespräche: wie weiblich ist das Internet und wie kann frau sich bei Google entsprechend platzieren, wenn die Suchmaschinen eindeutig nach maskulinen Begriffen suchen, wie Makler, Verkäufer, Mieter usw.?

    Um Google revolutionieren zu wollen, bin ich wohl die falsche 🙂

    Das „generische Maskulinum“

     

    Aber das Dilemma bleibt: das „generische Maskulinum“ (also die soziale Übereinkunft, über Männer zu reden und Frauen dabei gedanklich miteinzubeziehen) macht Frauen sprachlich unsichtbar.

    Männer wissen, dass sie angesprochen sind, Frauen müssen überlegen, ob sie angesprochen sein könnten und sich angesprochen fühlen wollen.

     

    Bevor Sie nun, lieber Leser (maskulin, weil Mann gemeint), hier Ihre feministische Trennlinie ziehen und wegklicken, meine Bitte: bleiben Sie!

    Denn tatsächlich möchte ich mit meinen Blogbeiträgen alle Leser und Leserinnen oder Leserinnen und Leser ansprechen. (Keine subtile Bevorzugung der Leserschaft durch Erstnennung).

    Eine Gesellschaft -vielschichtig wie die Sprache

     

    Unsere Gesellschaft entwickelt sich vielfältig und diese Entwicklung schlägt sich auch sprachlich nieder. Paare oder Familien müssen heute nicht einer heterosexuellen Lebensform entsprechen, nur weil dies als „klassisch bekanntes, anerkanntes soziales Konstrukt“ gilt (na, hier wird SEO aber bös` mit mir schimpfen wegen der Lesbarkeit).

    Und: auch der beste Vorsatz wird durch SEO (Search Engine optimization) vereitelt: denn die Lesbarkeit eines Textes leidet, wenn ich versuche, geschlechterspezifisch die Themen korrekt zu formulieren. Die doppelte man/frau Variante oder auch das Anhängen von „/In“ macht es mir und dadurch Ihnen auch nicht leichter, einen Text flüssig zu lesen.

    Ich werde mich intensiv bemühen, Ihnen allen sprachlich in meinen Blogbeiträgen gerecht zu werden.

     

    Gedanken zum Thema- bitte schreiben Sie mir

     

    Gender-unspezifische, aber nicht weniger herzliche  Grüße

    von

    Kerstin Keil